Auszüge aus den Memoiren
„Eine Stunde später wurde der Anker gelichtet, und am Morgen lief die Tartane in den istrischen Hafen Orsara ein. Wir gingen alle an Land, um die Stadt zu besehen […]. Sie gehört dem Papst, da die Republik Venedig sie dem heiligen Stuhl zum Geschenk gemacht hat.
[…]
Die gute Frau gab uns eine treffliche Mahlzeit Fische, die mit dem in jener Gegend ausgezeichneten Öl zubereitet waren. Wir tranken dazu Refosco, den ich wundervoll fand. Während wir frühstückten, kam ein freundlicher Priester, der zu mir sagte, ich dürfe nicht die Nacht auf der Tartane verbringen, sondern müsse ein gutes Bett bei ihm annehmen, und wenn wir am nächsten Tage wegen widrigen Windes nicht absegeln könnten, auch noch zu einem guten Mittagessen bei ihm bleiben. Ohne Zögern nahm ich dieses Anerbieten an. Nachdem ich reichlich gefrühstückt hatte, dankte ich aus aufrichtigem Herzen der guten frommen Frau und ging mit dem Priester fort, um die Stadt zu besehen. Abends nahm er mich mit in sein Haus und gab mir ein gutes Nachtmahl. Dieses war von seiner Haushälterin zubereitet, die sich mit uns zu Tisch setzte; sie gefiel mir. Sein Refosco war noch besser, als der der Betschwester; der Wein machte mich meine Leiden vergessen, und ich plauderte recht heiter.
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Ich ging zu Bett, und nach einem zehnstündigen tiefen Schlaf brachte mir die Haushälterin den Kaffee; sie hatte schon auf den Augenblick meines Erwachens gelauert. Ich fand das Mädchen reizend;
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Die Haushälterin erwies mir die deutlichsten Aufmerksamkeiten; ich sah, daß ich ihr gefallen hatte, und indem ich diesen Gedanken angenehm fand, fühlte ich, daß sie meine Eroberung gemacht hatte, wie ich die ihre. Der Tag verging dem guten Priester blitzschnell – dank den Schönheiten, die ich an seinen Versen entdeckt hatte, die, offen gestanden, unter dem Mittelmaß waren. Mir aber kam die Zeit entsetzlich lang vor, so sehr sehnte ich mich nach den Verheißungen des Zubettegehens, die ich in den Blicken der Haushälterin las. Zwar befand ich mich sowohl körperlich wie seelisch in traurigem Zustande; aber so war ich nun einmal: ich überließ mich der Freude, während mich doch, wenn ich vernünftig gedacht hätte, alles hätte traurig stimmen müssen. Endlich war der Augenblick da. Ich fand das liebenswürdige Mädchen bis zu einem gewissen Grade gefällig; als ich aber ihren Reizen volle Ehre erweisen zu wollen schien, setzte sie mir einigen Widerstand entgegen. Da gab ich ehrbar meine Versuche auf; wir waren beide froh, so wohlfeilen Kaufes davon gekommen zu sein, und ich ging ruhig zu Bett. Die Geschichte war jedoch noch nicht zu Ende. Denn, als sie morgens mir meinen Kaffee brachte und ihre anreizende Miene mich zu einigen Liebkosungen hinriß, widerstand sie, wie sie sagte, nur weil sie fürchtete, überrascht zu werden.
Der Tag verging dem Priester und mir aufs beste, und am Abend wurden zwei volle Stunden aufs köstlichste verbracht, da die Schöne keine Überraschungen mehr fürchtete. Ich hatte alle Vorsichtmaßregeln getroffen, die unter solchen Umständen möglich sind.“

